Borderline - Ein Leben zwischen Normalität und Abgrund

Vielleicht fragt ihr euch, wieso ich gerade etwas über die Borderline Persönlichkeitsstörung schreibe. Immerhin gibt es ja inzwischen schon sehr gute und informative Seiten im Netz.

Nun, das hat zwei Gründe:

 
 
Zum Einen, ich bin selber von der Krankheit betroffen und kann so natürlich sehr gut über die Krankheit aus der Sicht eines Betroffenen berichten.
 
Und zum Anderen, ich habe immer wieder die Erfahrung gemacht, das, obwohl die Krankheit doch sehr weit verbreitet ist, viele Menschen nur sehr wenig darüber wissen und das es leider auch sehr viele Vorurteile gibt.

Vielleicht seid ihr ja selber betroffen oder habt Freunde, Verwande oder Partner, die betroffen sind und seid auf der Suche nach Informationen. Es wäre schön, wenn euch meine Infos zu dieser Krankheit ein wenig dabei helfen, zu verstehen und mit ihr bzw. den Betroffenen besser umzugehen.

 

 

Was bedeutet Borderliner eigentlich?

 



 

 

Ins Deutsche übersetzt heißt Borderline einfach nur Grenzlinie. Entstanden ist dieser Begriff 1938 für ein  Krankheitsbild, das Ärzte, Therapeuten und Wissenschaftler weder der Gruppe der Neurosen, noch der der Psychosen richtig zuordnen konnten. Er bezeichnetnalso eine Störung, die sich an der Genzlinie (Borderline) zwischen diesen beiden Störungen bewegt.

 

In der heutigen Psychotherapie spricht man auch von einer emotional instabilen Persönlichkeit. Und ich kann aus eigener Erfahrung sagen, das damit der Kern der Krankheit sehr treffend auf den Punkt gebracht ist.

 

Das Hauptproblem dieses Krankheitsbildes liegt darin, das Emotionen/Gefühle nicht gefiltert und reguliert werden können. Der Fachmann nennt das eine emotionale Regulationsstörung.

 

Die Betroffenen neigen dazu, inneren Impulsen ohne Berücksichtigung auf die Konsequenzen einfach nachzugeben. Auch leiden sie sehr häufig unter extremen Stimmungsschwankungen, die von einem absoluten Hochgefühl plötzlich und oft aus für Aussenstehende nicht erkennbaren Gründen zum totalen Tief wechseln können.

 

In der Regel fällt es den Betroffenen schwer, vorrauszuplanen. Ausbrüche von intensivem Ärger können zu explosiven und manchmal auch gewalttätigem Verhalten führen. Auch sind das eigene Selbstbild (kein klares Ich-Gefühl) und Zielvorstellungen meistens unklar und gestört.

 

Die Betroffenen neigen sehr häufig zu extremen und intesiven, aber sehr unbeständigen Beziehungen. Dieses Verhalten kann zu wiederholten emotionalen Krisen, auch mit Suiziddrohungen/ -versuchen oder auch zu selbstschädigenden Verhalten bzw. Handlungen führen

 

Abschließend möchte ich noch anmerken, das sich dieses Krankheitsbild durch sehr unterschiedliche Erscheinungen auszeichnet und sich in der Krankheitsgeschichte der Betroffenen sehr viele verschiedene  Diagnosen finden, was ich auch aus eigener Erfahrung bestätigen kann.

 

Im Netz habe ich zu dem Thema "Was ist Borderline" etwas gefunden, das, wie ich finde, sehr gut aus Sicht eines Borderliners beschreibt, wie wir uns bzw. die Krankheit erleben:

 

Zitat:

 

"Borderline ist für mich eine geniale Überlebensstrategie der Psyche in einer Hölle. Das Problem dabei ist nur,  diese gelernten Verhaltensmuster wieder loszulassen, wenn diese äussere Hölle vorbei ist. Solange dies nicht  gelingt, lebt man in einer anderen, einer inneren Hölle weiter."

 


Und hier noch ein paar Worte einer Betroffenen:

 


Manchmal kommt in mir das Gefühl auf, ein Spielball verschiedener Kräfte zu sein, die von mir Besitz ergreifen  wollen und sich nicht einigen können. Ein ständiges Ringen und Hinundhergerissensein. Ich stehe winzig klein in der Mitte und weiß nicht, für welche Seite ich mich entscheiden soll. Da ist eine Seite, die will auf Menschen zugehen, vergnügt sein, Spass haben, gemütlich mit anderen zusammen sein, diskutieren, ausgehen. Da ist der Wunsch nach vielen Menschen um mich herum, der Wunsch nach Anlehnung und Freundlichkeit, jemandem  vertrauen können.

 

Aber andererseits tiefen Misstrauen, Angst, Zurückgehen, Wunsch nach Einsamkeit, nach in Ruhe gelassen werden. Angst davor, auf andere angewiesen zu sein. Sich auf andere zu verlassen und dann verletzt  fallengelassen zu werden. Der Wunsch, stark zu sein, um den anderen endlich zu beweisen: "Seht her, ich komme gut allein zurecht und brauche euch nicht. Wenn ihr etwas wollt, dann kommt zu mir und bittet darum."

 

Dann das Bild, das ich selbst von mir habe. Da ist der Wunsch nach Stärke, nach Kraft. Da sind Untopien,  Prinzipien, Träume, Ideale und der schwachsinnige Stolz. Der Stolz, der mich daran hindert, Schwäche zuzugeben, auf andere zuzugehen und um etwas zu bitten, Gefühle zuzulassen.

 

 

Symptome der Erkrankung




 

Zu den Symptomen ist zu sagen, das sich diese auf vier verschiedenen Ebenen abspielen. Da ist zum Einen die  gedankliche Ebene, dann die körperliche Ebene, die emotionale Ebene und die Verhaltensebene.

 

Die gedankliche Ebene:

Selbstabwertung bis Selbstvernichtung; Versagensgedanken; Schuldvorwürfe; Gedanken der Hilflosig- und  Hoffnungslosigkeit; Schwarz-Weiß-Denken; Entweder- oder Denken; Alles- oder Nichts-Denken.

 

Die körperliche Ebene:

innerliche Hochspannung; Schlafstörungen und Alpträume; Konzentrationsstörungen; Taubheitsgefühle; innere Leere; Unwirklichkeitsgefühle (das Gefühl, weit weg von sich zu sein), das Gefühl, vom Körper getrennt zu sein;  Wahrnehmungen, Vorstellungen und Bilder, die ängstigen.

 

Die emotionale Ebene

Gefühlschaos oder auch Gefühlsüberflutung; Niedergeschlagenheit; Hoffnungslosigkeit; Angst- und Panikzustände; Schuld-, Scham- und Ekelgefühle; Wut und Ärger; plötzliche Stimmungsumschwüge zwischen Angst, Ärger und Depression; Schwierigkeiten, Gefühle richtig wahrzunehmen.

 

Die Verhaltensebene

sozialer Rückzug --> Aufgabe von Kontakten und von beruflichen und Freizeitinteressen; Klammern und vermeiden von Alleinsein; große Beziehungsprobleme und daraus resultierende Beziehungskonflikte; Unfähigkeit, Hilfe anderer anzunehmen; impulsive Handlungen --> Selbsschädigung oder Selbstverletzung, Suizidversuche


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